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<title>Sanduhrtrommel</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Sanduhrtrommel</span></h1>
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<p><b>Sanduhrtrommeln</b>, seltener <i>Stundenglastrommeln</i>, englisch <i>hourglass drums</i>, bilden eine Gruppe von ein- oder meist zweifelligen <a href="R%C3%B6hrentrommel" title="Röhrentrommel">Röhrentrommeln</a>, bei denen der mittlere Durchmesser kleiner ist als die beiden Enddurchmesser. Daraus ergibt sich die an eine <a href="Sanduhr" title="Sanduhr">Sanduhr</a> erinnernde Form. Sanduhrtrommeln werden ein- oder beidseitig mit gebogenen Stöckchen oder mit den Händen geschlagen. Die Membranen einfacher Sanduhrtypen sind über den Korpusrand gebogen und aufgeklebt, festgenagelt oder durch nachjustierbare Spannschnüre an der gegenüberliegenden Seite fixiert. Bei komplizierteren Typen sind die beiden Membranen auf Ringe aufgezogen und bilden zwei Scheiben, die lose auf den Korpusenden aufliegen und nur durch die Verspannung in ihrer Position gehalten werden. Diese verläuft im Unterschied zu zylindrischen und fassförmigen Röhrentrommeln mit Abstand zum <a href="Korpus_(Musikinstrument)" class="mw-redirect" title="Korpus (Musikinstrument)">Korpus</a>, sodass sich während des Spiels durch seitlichen Druck auf die Schnüre die Tonhöhe um mehrere Notenwerte verändern lässt.
</p><p>Sanduhrtrommeln sind in <a href="S%C3%BCdasien" title="Südasien">Südasien</a>, <a href="Ostasien" title="Ostasien">Ostasien</a> und <a href="Afrika" title="Afrika">Afrika</a> verbreitet. Die meisten asiatischen Sanduhrtrommeln besitzen seit ihrer ersten Erwähnung in <a href="Mesopotamien" title="Mesopotamien">Mesopotamien</a> im 3. Jahrtausend v. Chr. eine religiöse oder magische Bedeutung. In <a href="Indien" title="Indien">Indien</a> setzen Straßenmusiker kleine sanduhrförmige <a href="Rasseltrommel" title="Rasseltrommel">Rasseltrommeln</a> („Affentrommeln“) zur Begleitung ihrer Lieder ein. In <a href="Neuguinea" title="Neuguinea">Neuguinea</a> begleiten aus einem Stammabschnitt gefertigte einfellige Sanduhrtrommeln (<i><a href="Kundu_(Trommel)" title="Kundu (Trommel)">kundu</a></i>) traditionelle Gruppentänze und in Westafrika zählen zweifellige Schnurtrommeln gemäß ihrer Funktion zu den <a href="Sprechtrommel" class="mw-redirect" title="Sprechtrommel">Sprechtrommeln</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Herkunft">Herkunft</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Vorderasien">Vorderasien</h3></div>
<p>Die ältesten namentlich und von Abbildungen bekannten Sanduhrtrommeln stammen aus Mesopotamien. Auf <a href="Keilschrift" title="Keilschrift">Keilschrifttafeln</a> lautet im 3. Jahrtausend v. Chr. die verbreitetste Bezeichnung für Trommeln in der <a href="Sumerische_Sprache" title="Sumerische Sprache">sumerischen Sprache</a> UB, im späteren <a href="Akkadische_Sprache" title="Akkadische Sprache">Akkadischen</a> wurde daraus <i>uppu</i>. Dieses Wort in der Grundbedeutung „Schlag“ kann sich auch auf „Herzschlag“ beziehen und steht damit als Urgeräusch des lebendigen Menschen im Zusammenhang mit der Schöpfung, wie sie Gott <a href="Enki" title="Enki">Enki</a> vollbrachte.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Wort kommt allgemein in der Verbindung SU UB vor, wobei das <a href="Pr%C3%A4fix" title="Präfix">Präfix</a> für Haut oder Membran steht und UB entsprechend eine innen ausgehöhlte oder eine etwas umschließende Form bezeichnen müsste. Nach frühen <a href="Ideographie" title="Ideographie">Ideogrammen</a> zu urteilen, war eine solche Trommel zylindrisch und einfellig.
</p><p>Eine weitere sumerische Bezeichnung für eine Trommel war BALAG, worunter in früher Zeit möglicherweise Musikinstrumente allgemein und mit dem Zusatz GIŠ.BALAG (<i>giš</i>, „Holz“) Saiteninstrumente verstanden wurden.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Ideogramm für BALAG zeigt eine sanduhrförmige Trommel mit zwei Fellen, die waagrecht an einem Schultergurt hängend mit beiden Händen geschlagen wurde. Ein <a href="Rollsiegel" title="Rollsiegel">Rollsiegelabdruck</a> aus <a href="Ur_(Stadt)" title="Ur (Stadt)">Ur</a> stellt eine Musikantengruppe mit <a href="Leier_(Zupfinstrument)" title="Leier (Zupfinstrument)">Leier</a>, Flöte, <a href="Rassel" title="Rassel">Rassel</a> und einem Trommler dar, der sein Instrument in derselben Spielposition mit zwei Stöcken schlägt. Die Sanduhrtrommel BALAG wurde beim Tempelritual für Enki gespielt, der unter anderem als Gott der Musiker galt und dessen Name gelegentlich mit dem Zeichen der Trommel wiedergegeben wurde. Es gab eine kleinere Variante der Sanduhrtrommel namens BALAG.TUR, bei der das <a href="Suffix" title="Suffix">Suffix</a> <i>tur</i> eine Verkleinerungsform darstellt, analog zum Jagdbogen GIŠ.BAN, der als BAN.TUR zum kleineren <a href="Musikbogen" title="Musikbogen">Musikbogen</a>, dem ältesten Saiteninstrument wurde.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Sanduhrtrommel bestand vermutlich in ihrer primitivsten Form aus zwei verbundenen <a href="Sch%C3%A4del" title="Schädel">Schädeldecken</a> und gehörte zur Gruppe der alten magischen Ritualtrommeln wie etwa der in der <a href="Tibetische_Musik" title="Tibetische Musik">tibetischen Kultmusik</a> gebrauchten Schädeltrommel <i>chang teu</i> und der heiligen hölzernen Sanduhrtrommel <i><a href="Damaru" title="Damaru">damaru</a></i>, die in Indien als Attribut <a href="Shiva" title="Shiva">Shivas</a> dargestellt wird. Die sumerische Sanduhrtrommel wurde zur Verehrung der Götter gespielt und verstärkte die Ausdruckskraft des religiösen Gesangs. Aus einem <a href="Hethiter" title="Hethiter">hethitischen</a> Ritualtext von etwa 1300 v. Chr. geht hervor, dass <i>katraš</i>-Frauen (<a href="Zimbel" title="Zimbel">Zimbel</a>-Spielerinnen) die Trommel (BALAG) geschlagen und so die Götter herbeigerufen hätten. Im Akkadischen hieß die Trommel <i>balaggu, balangu, palagga</i> oder <i>pelaggu</i>. Davon abgeleitet sind die <a href="Aram%C3%A4ische_Sprache" class="mw-redirect" title="Aramäische Sprache">aramäische</a> Bezeichnung <i>palgah</i> und <a href="Syrische_Sprache" title="Syrische Sprache">syrisch</a> <i>pelagga</i>. Ihr <a href="Korpus_(Musikinstrument)" class="mw-redirect" title="Korpus (Musikinstrument)">Korpus</a> bestand aus Holz. Die Membranen wurden anfangs noch nicht mit Schnüren miteinander verspannt, sondern vermutlich an Holzdübeln fixiert.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die ausführlichste zeitgenössische Beschreibung eines sumerischen Tempels und zugleich der längste zusammenhängende Text in sumerischer Sprache ist auf zwei großen Tonzylindern eingraviert, die im wiederaufgebauten Tempel des Gottes <a href="Ningirsu" title="Ningirsu">Ningirsu</a> von <a href="Girsu" title="Girsu">Girsu</a> im Gebiet <a href="Laga%C5%A1" title="Lagaš">Lagaš</a> in Südmesopotamien deponiert waren.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Um 2100 v. Chr. ließ der Priesterkönig <a href="Gudea" title="Gudea">Gudea</a> den Tempel prächtig ausgestalten. Die Keilschrift auf dem ersten Zylinder beinhaltet zu Beginn, wie Gudea im Traum die göttliche Idee zum Tempelbau erhielt, wie er beauftragt wurde, ein heiliges Schwert, einen Streitwagen und eine Trommel für Ningirsu anfertigen zu lassen. Die Trommel BALAG wurde in die Fürsorge eines bestimmten Priesters gegeben, der allein das Recht besaß, sie zeremoniell einzusetzen und der als Titel den Namen des Instruments trug. Die BALAG scheint recht laut geklungen und folglich groß gewesen zu sein, denn ihr Schlag wurde mit dem Gebrüll eines Ochsen verglichen.
</p><p>Ein Siegelabdruck aus der <a href="Akkadzeit" title="Akkadzeit">Akkadzeit</a> (24./23. Jahrhundert v. Chr.) zeigt neben der sitzend dargestellten Göttin <a href="I%C5%A1tar" title="Ištar">Ištar</a> einen Altar in der Form einer stehenden schlanken Sanduhrtrommel, auf der Opfergaben abgelegt sind. Die besondere Beziehung der BALAG zur mesopotamischen Hauptgöttin geht auch aus einem Keilschrifttext hervor, worin das Auftauchen eines anderen, Balag.DI genannten Trommeltyps vor der Göttin bei der <a href="Leberschau" title="Leberschau">Leberschau</a> als günstiges Zeichen gewertet wird. BALAG.DI, akkadisch <i>timbūttu</i> oder <i>timbpūtu</i>, war vermutlich eine kleinere sanduhrförmige Trommel, die speziell zur Gesangsbegleitung verwendet wurde. Ein <a href="Elam_(Altertum)" title="Elam (Altertum)">elamitisches</a> Siegel von etwa 1200 v. Chr. zeigt musizierende Tiere mit einer <a href="Harfe" title="Harfe">Harfe</a>, Doppelpfeife und einer BALAG.DI in den Pfoten eines Löwen. Die Frage, ob unter dem Namen BALAG neben der entsprechenden Gruppe von Trommeln auch Saiteninstrumente gemeint sein konnten, verbindet Francis W. Galpin mit der zweiten Bedeutung des Wortes <i>timbūttu</i> als eine Art <a href="Cricket" title="Cricket">Cricket</a>, das zur Akkadzeit gespielt wurde. Das bei einem derartigen Ballspiel erzeugte Geräusch hat mit einem Trommelschlag, aber nicht mit einem Saiteninstrument zu tun. <i>Timbūttu egli</i> ist folglich mit „Harfe auf dem Feld“ falsch übersetzt, stattdessen ahmen die bei der <i>timbūttu</i> mit einem feilenartigen Stab angeriebenen harten Spannhäute zwischen den beiden Membranen nach dem Prinzip der Schnur-<a href="Reibetrommel" class="mw-redirect" title="Reibetrommel">Reibetrommeln</a> das Spielgeräusch nach. Die Membranen durch Seitwärtsbewegung der Spannschnüre anzuregen gehörte bei der BALAG.DI folglich zur Spielweise. Sie steht damit in Verbindung mit den heutigen indischen Zupftrommeln (<i><a href="Ektara_(Zupftrommel)" title="Ektara (Zupftrommel)">ektaras</a></i>) und den Reibetrommeln, die aus Asien nach Europa gelangten. Eine kleine Reibetrommel in Spanien heißt <i>chicharra</i>, wie das spanische Wort für Cricket und für <a href="Singzikaden" title="Singzikaden">Zikaden</a>. Die Insekten besitzen ein Trommelorgan (<a href="Tymbalorgan" title="Tymbalorgan">Tymbal</a>, von <a href="Altgriechische_Sprache" title="Altgriechische Sprache">griechisch</a> <i>kymbalon</i>, „<a href="Zimbel" title="Zimbel">Zimbel</a>“, veraltet für „<a href="Rahmentrommel" title="Rahmentrommel">Rahmentrommel</a>“), das aus leicht gebogenen Plättchen besteht, die am Hinterleib des Insekts in Bewegung versetzt werden und ein charakteristisches hohes Schnarrgeräusch hervorbringen. Der Rahmentrommelspieler produziert ein ebensolches Geräusch wie der „Gesang der Zikaden“, wenn er mit dem Handballen über die Membran reibt.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Eine ähnliche Bedeutung im Ritual wie die BALAG besaß die sumerische <a href="Lilissu" title="Lilissu">LILIS</a> (akkadisch <i>lilissu</i>). Sie war eine <a href="Kesseltrommel" title="Kesseltrommel">Kesseltrommel</a> mit einem Korpus aus Bronze. Aus Metall bestand auch der Korpus der DUB. Auf dieses Wort scheinen die kleine indische Kesseltrommel <i><a href="Duggi" title="Duggi">duggi</a></i> (<i>dugi</i>, eine Tontopftrommel der <a href="Baul" title="Baul">Baul</a>), die in den <a href="Veda" title="Veda">Veden</a> häufig erwähnte <i><a href="Dundubhi" title="Dundubhi">dundubhi</a></i>, die <i>budbudika</i> (ein anderer Name für die Sanduhrtrommel <i>damaru</i>) und die georgische Zylindertrommel <i>dabdabi</i> (heute <i><a href="Doli_(Trommel)" title="Doli (Trommel)">doli</a></i>) zurückzugehen. BALAG und DUB bezeichneten ferner Abstraktionen wie „Wehklage“ und „Gejammer“. Zur Zeremonialmusik am Ningirsu-Tempel von Lagaš gehörten neben der heiligen Trommel BALAG die wesentlich größere, hochkant stehende Rahmen- oder Zylindertrommel A.LA, die von zwei Männern gespielt wurde, und das Blasinstrument SĪM.DA. Im 8. Jahrhundert v. Chr. spielten zu Ehren der Göttin Ištar eine kleine Trommel <i>uppu</i>, eine Kesseltrommel <i>lilissu</i>, ein Doppelrohr-Blasinstrument <i>ḫalḫallatu</i>, eine runde Rahmentrommel <i>manzu</i> und eine <i>balaggu</i> zusammen.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In frühislamischer Zeit gab es laut der Abhandlung von al-Mufaḍḍal ibn Salama († um 904) die gewöhnliche Trommel <i><a href="Tabl" title="Tabl">ṭabl</a></i>, die Bechertrommel <i>kabar</i> und die zweifellige sanduhrförmige <i>kūba</i>, von der bereits Anfang des 7. Jahrhunderts gesagt wurde, dass sie von Muslimen nicht gespielt werden darf. Die <i>kūba</i> ist auf einer Miniatur aus dem 14. Jahrhundert zu einem Buch des arabischen Erfinders <a href="Al-Dschazar%C4%AB" title="Al-Dschazarī">al-Dschazarī</a> (12. Jahrhundert) abgebildet. Al-Dschazarī konstruierte unter anderem eine mit Wasserkraft angetriebene Uhr, auf deren Abbildung vier sitzende Musikanten zu sehen sind, die außer der Sanduhrtrommel die Laute <i><a href="Oud" title="Oud">ʿūd</a></i>, die Rahmentrommel <i><a href="Daira_(Trommel)" title="Daira (Trommel)">dāʾira</a></i> und die Flöte <i>quṣṣāba</i> spielen.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Eine persische Quelle aus dem 12. Jahrhundert erwähnt eine lange Reihe von Musikinstrumenten, darunter die senkrechte Winkelharfe <i><a href="Tschang_(Harfe)" title="Tschang (Harfe)">tschang</a></i>, die Stachelfidel <i><a href="Kamantsche" title="Kamantsche">kamantsche</a></i>, die Rahmentrommel <i>dāʾira</i>, die Bechertrommel <i><a href="Tombak_(Musikinstrument)" title="Tombak (Musikinstrument)">tombak</a></i> und die genannte Sanduhrtrommel <i>kōba</i>. Zum Musizieren im Freien kamen unter anderem die Trichteroboe <i><a href="Sornay_(Musikinstrument)" title="Sornay (Musikinstrument)">surnay</a></i> und die Kesseltrommel <i>kōs</i> hinzu.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Beim <a href="Andalusien" title="Andalusien">andalusischen</a> Gelehrten al-Shakundi († 1231/32) findet sich die Bezeichnung <i>akwāl</i> für eine Trommel, die wohl eine der in der heutigen <a href="Arabische_Musik" title="Arabische Musik">arabischen Musik</a> weit verbreiteten Bechertrommeln war. Ihr Name ist in der <a href="Berber" title="Berber">berberischen</a> Volksmusik im <a href="Maghreb" title="Maghreb">Maghreb</a> als <i>agwāl, tagwalt</i> oder <i>gwāl</i> überliefert. Im marokkanischen Atlasgebirge heißt so eine seltene, kleine sanduhrförmige <a href="Tontrommel" title="Tontrommel">Tontrommel</a>,<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> die ebensolche <i>ġūwāl</i> (Pl. <i>gwāl</i>) wird im Norden Marokkos unter anderem zusammen mit der Zupflaute <i><a href="Gimbri" title="Gimbri">gimbri</a></i> im Besessenheitsritual des weiblichen Geistes <a href="Aisha_Qandisha" title="Aisha Qandisha">Aisha Qandisha</a> eingesetzt.
</p><p>Unter den <a href="Altes_%C3%84gypten" title="Altes Ägypten">altägyptischen</a> Musikinstrumenten finden sich keine sanduhrförmigen Trommeln.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der älteste ägyptische Musiker war der in einer Abbildung aus der <a href="4._Dynastie" class="mw-redirect" title="4. Dynastie">4. Dynastie</a> vor seiner Herrin sitzende Hausverwalter Merj, der auf einer, der heutigen <i><a href="Darbuka" title="Darbuka">darbuka</a></i> ähnlichen Bechertrommel spielte und dazu sang.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ab dem <a href="Neues_Reich" title="Neues Reich">Neuen Reich</a> gab es professionelle Musiker, die zur Gesangs- und Tanzbegleitung die Röhrentrommel <i>tnb</i> spielten, deren Felle miteinander verschnürt waren. Nach dem 11. Jahrhundert v. Chr. kamen durch vorderasiatische Einflüsse elegant gewölbte, zweifellige Fasstrommeln hinzu. Eine Verbindung zwischen den frühen asiatischen und den heutigen afrikanischen Sanduhrtrommeln lässt sich nicht herstellen.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Südasien"><span id="S.C3.BCdasien"></span>Südasien</h3></div>
<p>Die frühesten Darstellungen von mutmaßlichen Sanduhrtrommeln in Südasien sind auf <a href="Terrakotta" title="Terrakotta">Terrakotta</a>-Siegeln mit Tier- und Menschenfiguren der <a href="Kupfersteinzeit" title="Kupfersteinzeit">chalkolithisch</a>-bronzezeitlichen <a href="Indus-Kultur" title="Indus-Kultur">Indus-Kultur</a> (um 2800–1800 v. Chr.) erkennbar, die in den unteren Schichten von <a href="Mohenjo-Daro" title="Mohenjo-Daro">Mohenjo-Daro</a> und <a href="Harappa" title="Harappa">Harappa</a> gefunden wurden und als Siegelamulette klassifiziert werden. Auf einem Siegel steht eine Gruppe von männlichen und weiblichen Musikern und Tänzern beisammen. Ein Mann steht mit einer langen, mit ausgestreckten Armen waagrecht vor dem Körper gehaltenen Röhrentrommel neben einem Tiger.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Eine der Musikerinnen aus Harappa, die als „Muttergöttin“ gedeutet wird, trägt eine Sanduhrtrommel unter dem linken Arm. Eine ähnliche weibliche Figur stammt aus Mohenjo-Daro. Eine kniende männliche Tonfigur hält einen flachen runden Gegenstand vor der Brust, offensichtlich eine Rahmentrommel, die heute als <i><a href="Daira_(Trommel)" title="Daira (Trommel)">daira</a></i> oder <i><a href="Daf_(Musikinstrument)" title="Daf (Musikinstrument)">daf</a></i> auch in Pakistan gespielt wird.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In den im zentralindischen Bundesstaat <a href="Madhya_Pradesh" title="Madhya Pradesh">Madhya Pradesh</a> gelegenen Felsgrotten von <a href="Bhimbetka" title="Bhimbetka">Bhimbetka</a> blieben Malereien erhalten, die vom <a href="Mesolithikum" class="mw-redirect" title="Mesolithikum">Mesolithikum</a> (älter als 5000 v. Chr.) bis in historische Zeit datiert werden. Neben zahlreichen Tierdarstellungen gehören hierzu Szenen mit Ritualtänzern, Harfenspielern und Trommlern.<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Weitere Felszeichnungen, die Sanduhrtrommler darstellen, finden sich in den etwa 200 Kilometer von Bhimbetka entfernten Höhlen von Pachmarhi.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Größere Abbildungen von indischen Sanduhrtrommeln sind 2000 Jahre jünger und gehörten zu <a href="Buddhismus" title="Buddhismus">buddhistischen</a> Kultorten. Auf einem Relief aus der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr., das zum südlichen Tor (<i><a href="Torana" title="Torana">torana</a></i>) des Steinzauns am <a href="Stupa" title="Stupa">Stupa</a> von <a href="Bharhut" title="Bharhut">Bharhut</a> (bei <a href="Satna" title="Satna">Satna</a> im Norden von <a href="Madhya_Pradesh" title="Madhya Pradesh">Madhya Pradesh</a>) gehörte, ist eine Tanzszene abgebildet. Neben einer Gruppe von Musikerinnen sind vier frontal dem Betrachter zugewandte graziöse Tänzerinnen, die als <a href="Apsara" title="Apsara">Apsaras</a> auftreten, in unterschiedlichen Körperhaltungen dargestellt. Die am Boden sitzenden Musikerinnen verbergen mit ihren Körpern weitgehend ihre Instrumente. Dennoch sind eine senkrechte Trommel, eine waagrecht über die Knie gelegte zweifellige Röhrentrommel und eine kleine sanduhrförmige Trommel auszumachen. Letztere wird mit dem linken Oberarm gegen den Oberkörper gedrückt und einseitig mit der rechten Hand geschlagen, wie es heute noch bei indischen Sanduhrtrommeln üblich ist. Die Gruppe tanzt und musiziert laut Inschrift zu Ehren der Götter. Auf einem <a href="Medaillon_(Ornament)" title="Medaillon (Ornament)">Medaillon</a> am Steinzaun (<i>vedika</i>) reiten mehrere Affen auf einem, den mittleren Bereich ausfüllenden Elefanten. Auf der rechten Seite schlägt ein stehender Affe mit einem geraden Stöckchen eine Sanduhrtrommel, die er sich an einem Gurt um die Schulter gehängt hat. Dies ist eine alternative Spielposition der indischen Sanduhrtrommeln. Erkennbar ist eine dichte Verschnürung mit einer Schlinge um die Taille des Instruments, die zusammengezogen werden kann, um die Membranspannung und damit den Ton zu erhöhen. Die Affenmusiker stehen eher für weltliche Sinnenfreude als für religiöse Ernsthaftigkeit. Eine Musikgruppe mit Sanduhrtrommeln, Tontöpfen (<i><a href="Ghatam" title="Ghatam">ghatam</a></i>) und <a href="Schneckenhorn" title="Schneckenhorn">Schneckenhörnern</a> (<i>shankha</i>) ist auch am Osttor des Stupas von <a href="Sanchi" title="Sanchi">Sanchi</a> aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. zu sehen. Am dortigen Westtor marschieren vier Trommler, einer davon mit einer Sanduhrtrommel, an der Spitze einer Prozession. Den Mittelpunkt der Szene bildet der <a href="Pappel-Feige" title="Pappel-Feige">Bodhi-Baum</a>, unter dem <a href="Siddhartha_Gautama" title="Siddhartha Gautama">Buddha</a> Erleuchtung fand nebst dessen leerem Thron. Den Kontrast zu den geordnet dastehenden Musikern auf der linken Seite bildet rechts das übelwollende chaotische Heer <a href="Mara_(Buddhismus)" title="Mara (Buddhismus)">Maras</a>.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Viele Reliefs an den Stupas behandeln mythologische Erzählungen aus dem Leben Buddhas (<i><a href="Jataka" title="Jataka">Jatakas</a></i>). Auf einem äußerst plastisch gestalteten, kreisrunden Kalksteinrelief aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., das sich einst an der Umzäunung des Stupas von <a href="Amaravati_(Andhra_Pradesh)" class="mw-redirect" title="Amaravati (Andhra Pradesh)">Amaravati</a> befand, spielt in einer Szene aus dem <i>Mugapakkha-Jataka</i> ein Ensemble in einer Besetzung zusammen, die für Theateraufführungen üblich war. Die drei Trommler schlagen die senkrecht stehende Röhrentrommel <i>muraja</i>, die Fasstrommel <i>dardara</i> und die Sanduhrtrommel <i>panava</i>. Für die Melodie sorgen drei Bogenharfen (<i><a href="Vina" title="Vina">vina</a></i>), zwei Flöten (<i>vamsha vādaka</i>) und eine Sängerin (<i>gāyikā</i>), wie es dem Natyashastra zu entnehmen ist. Bis auf den König und seinen Sohn in der oberen Mitte sind alle abgebildeten Personen Frauen. Ort des Geschehens sind die Frauengemächer des Palasts.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<p>In <a href="S%C3%BCdasien" title="Südasien">Südasien</a> bilden <a href="Membranophon" title="Membranophon">Membranophone</a> (<a href="Sanskrit" title="Sanskrit">sanskrit</a> <i>avanaddha vadya</i>) seit der um die Zeitenwende im Werk <i><a href="Natyashastra" class="mw-redirect" title="Natyashastra">Natyashastra</a></i> zusammengefassten altindischen Musiktheorie <i><a href="Gandharva" title="Gandharva">Gandharva</a>-Veda</i> eine der vier Gruppen von Musikinstrumenten. <i>Avanaddha</i> („bedeckt“) bedeutet, dass ein Gefäß oder ein Rahmen mit einer Membran überdeckt ist. Die am häufigsten erwähnten Trommeln waren neben der als Kriegstrommel verwendeten <i>dundubhi</i> im 1. Jahrtausend v. Chr. die aus Ton hergestellten <i><a href="Mridangam" title="Mridangam">mridangas</a></i> (<i>mrid</i>, „Ton“, „Erde“), von denen Bharata Muni, der Verfasser des <i>Natyashastra</i>, wiederum drei Typen unterschied: Der <i>ūrdhvaka</i> genannte Typ soll wie ein Gerstenkorn ausgesehen haben, gehörte also zu den länglichen Doppelkonustrommeln. <i>Āngkika</i> dürften nach der Beschreibung stärker gerundete Doppelkonustrommeln gewesen sein und <i>ālingya</i> hießen vermutlich konische oder sanduhrförmige Trommeln. Zur Gruppe der Trommeln mit einem hölzernen Korpus (<i>pushkaras</i>) gehörten der senkrecht aufgestellte <i>muraja</i> von nicht weiter beschriebener Form, der fassförmige <i>dardara</i> und der sanduhrförmige <i>panava</i>. Die Felldurchmesser betrugen acht <i>angula</i> (zwölf <i>angula</i> waren ein <i>vitasti</i>, eine Handspanne) auf der einen und fünf <i>angula</i> auf der anderen Seite bei einem Mittendurchmesser von vier <i>angula</i>. Daneben gab es eine dritte Gruppe von Trommeln, die nur zu bestimmten Anlässen und nicht in den üblichen Orchestern eingesetzt wurden.<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Auf einem Relief in Höhle 7 der buddhistischen <a href="Aurangabad-H%C3%B6hlen" title="Aurangabad-Höhlen">Aurangabad-Höhlen</a> (nahe <a href="Aurangabad_(Maharashtra)" title="Aurangabad (Maharashtra)">Aurangabad</a>) wird eine Tänzerin von Musikerinnen begleitet, die auf beiden Seiten sitzen. Die Figur am linken Rand spielt eine Sanduhrtrommel, die sie mit der linken Hand auf ihrem linken Oberschenkel hält und mit der rechten Hand schlägt. Die nach rechts folgenden Frauen spielen Querflöte, Zimbeln, eine mit einem Stock geschlagene Zylindertrommel und weitere Trommeln. Bei ähnlichen Szenen verzichten die Musikerinnen gänzlich auf Melodieinstrumente, teilweise sind Gegenschlagstäbe zur rhythmischen Begleitung ausreichend. Eine Wandmalerei in der <a href="H%C3%B6hle_6_(Ajanta)" title="Höhle 6 (Ajanta)">Höhle 6 von Ajanta</a>, einem buddhistischen Kloster (<i><a href="Vihara" title="Vihara">vihara</a></i>) aus dem 6. Jahrhundert, ist eine Tanzszene aus einem Jataka dargestellt. Die Frauen spielen zwei Querflöten (<i>vamsha</i>), eine senkrecht stehende Fasstrommel und Zimbeln (<i>tala</i>). Eine große Sanduhrtrommel (<i>panava</i>) ist nur noch schlecht erkennbar. Die Zimbeln sorgen für den Grundschlag, an dem sich die Tänzerin orientiert, während die Trommeln rhythmisch improvisieren können. Sanduhrtrommeln bieten die besondere Freiheit, dass sich die Tonhöhe während des Spiels durch Zusammendrücken der Spannschnüre in einem weiten Bereich verändern lässt. Die Fähigkeit, einen dem Spiel der Flöte oder Bogenharfe in der Höhe angepassten Schlusston produzieren zu können, wird laut dem Natayshastra von einem Trommler verlangt. Er muss die Technik beherrschen, die Tonhöhe den Melodieinstrumenten anzupassen. Vorbildlich demonstriert dies ein sitzender Musiker auf einem Relief am Stupa II von <a href="Nalanda" title="Nalanda">Nalanda</a> aus dem 6./7. Jahrhundert, der eine Sanduhrtrommel mit dem gestreckten linken Unterarm gegen seinen Bauch presst und sie mit der leicht gewölbten rechten Hand schlägt. Die zweite Spielweise demonstriert ein stehender Musiker auf einem Relief am <a href="Hinduismus" title="Hinduismus">hinduistischen</a> <a href="Sonnentempel_von_Konark" title="Sonnentempel von Konark">Sonnentempel</a> im ostindischen <a href="Konark" title="Konark">Konark</a> aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Seine Trommel hängt an einem Schultergurt. Die rechte Hand hat er zwischen Spannschnüre und mittlere Querschlinge gesteckt und kann so die Trommel nach unten drücken, um den Ton zu erhöhen und sie anheben, um die Spannschnüre zu lockern.<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verbreitung">Verbreitung</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Südasien_2"><span id="S.C3.BCdasien_2"></span>Südasien</h3></div>
<p>Die religiöse Bedeutung der indischen Sanduhrtrommeln geht auf die <i><a href="Damaru" title="Damaru">damaru</a></i> zurück, die als Attribut <a href="Shiva" title="Shiva">Shivas</a> und anderer Götter gilt. Wenn Shiva in Gestalt des <a href="Nataraja" title="Nataraja">Nataraja</a> erscheint, führt er den kosmischen Tanz (<i><a href="Tandava" title="Tandava">tandava</a></i>) auf, mit dem er den ewigen Zyklus von Werden und Vergehen in Gang setzt. In seiner rechten oberen Hand hält er eine kleine Sanduhrtrommel, auf seiner linken Handfläche lodert eine Flamme und die beiden übrigen Hände zeigen unbewaffnet nach unten. In die mittelalterliche <a href="Tibetische_Musik" title="Tibetische Musik">tibetisch-buddhistische Ritualmusik</a> gelangte die <i>damaru</i> (<a href="Tibetische_Sprache" title="Tibetische Sprache">tibetisch</a> <i>rnga chung</i>) als Doppelschale aus zwei Schädelknochen, zusammen mit der Röhrenknochentrompete <i><a href="Dung_(Musikinstrument)#Rkang_dung" title="Dung (Musikinstrument)">rkang dung</a></i> und metallenen Trompeten.
</p><p>Zwei an einer Schnur hängende Schlagsteinchen werden durch schnelle Drehung des Handgelenks in Bewegung versetzt und erzeugen auf den Trommelfellen der <i>damaru</i> ein prasselndes Geräusch. Ebenso funktioniert die <i>dugdugi</i> genannte, sanduhrförmige Rasseltrommel. Mit ihr kündigen Straßenhändler ihre Anwesenheit an.<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Für hinduistische Tempelrituale der <a href="Brahmane" class="mw-redirect" title="Brahmane">Brahmanen</a> vor dem Altar der Gottheit sind nur metallene <a href="Idiophon" title="Idiophon">Idiophone</a> (<i>ghana</i>) erlaubt. Dies sind flache <a href="Gong" title="Gong">Gongs</a> (<i>jagate</i>), Zimbeln (<i>tala</i>) oder Stiel<a href="Glocke" title="Glocke">glocken</a> (<i>ghanta</i>). Nur ausnahmsweise darf in Shivatempeln eine <i>damaru</i> verwendet werden.<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Auf einer zweiten sozialen Ebene praktizieren nichtbrahamische Kastengruppen Besessenheitsrituale und die Beschwörung von Geistern (<a href="Bhuta_(Geist)" title="Bhuta (Geist)">Bhutas</a>) und Regionalgottheiten (<a href="Deva_(Gott)" title="Deva (Gott)">Devas</a>), wobei Sanduhrtrommeln mit V-förmiger Schnurverspannung die geeigneten Gesangsbegleiter sind. Bei einer Besessenheitszeremonie der Mina, einer Ethnie im Süden <a href="Rajasthan" title="Rajasthan">Rajasthans</a>, treten anfangs zwei Sänger auf, die sich mit der Sanduhrtrommel <i>dhak</i> und einem Messingteller (<i><a href="Thali" title="Thali">thali</a></i>) als Flachgong begleiten. Gesang und Perkussionsinstrumente unterstützen die Teilnehmer dabei, einen hypnotischen Zustand zu erreichen.<sup id="cite_ref-24" class="reference"><a href="#cite_note-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In den Regionen Kumaon und <a href="Garhwal" title="Garhwal">Garhwal</a> im Bundesstaat <a href="Uttarakhand" title="Uttarakhand">Uttarakhand</a> am Südrand des <a href="Himalaya" title="Himalaya">Himalaya</a> ist eine etwas größere Sanduhrtrommel von etwa 25 Zentimetern Länge ohne Klöppel, die mit der rechten Hand geschlagen wird, unter dem Namen <i><a href="Hurka_(Trommel)" title="Hurka (Trommel)">hurka</a></i> bekannt. <i>Hurkiya</i> heißen die stets männlichen Sänger, die eine <a href="Jati" class="mw-redirect" title="Jati">Unterkaste</a> der <a href="Dalit" title="Dalit">Dalits</a> bilden und ihren epischen Gesang mit der Sanduhrtrommel begleiten. Die Lieder selbst werden <i>hurkiya bol</i> („Lieder der Hurkiya“) genannt und zur Unterhaltung für Frauen vorgetragen, während diese gemeinschaftlich auf Nassreisfeldern die Jungpflanzen aussetzen.<sup id="cite_ref-25" class="reference"><a href="#cite_note-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die <i>hurka</i> wird wie die ähnlich große <i><a href="Daunr" title="Daunr">daunr</a></i> in Garhwal für die Unterhaltungsmusik und für Besessenheitszeremonien in geschlossenen Räumen verwendet. Zum Spiel beider Trommeln gehört wie in Rajasthan ein mit Stöckchen schnell geschlagenes <i>thali</i>, das eine Art höheren <a href="Bordun" title="Bordun">Bordunton</a> zu den variantenreicheren Trommelschlägen ergänzt.
</p><p>Ähnlich große Sanduhrtrommeln, die in der nord- und südindischen Volksmusik gespielt werden, heißen <i>hurukka, hudukka, udukkai, deru</i> oder <i>dhaak</i>. Bei allen werden die Membranen nach dem Vorbild der <i>damaru</i> über einen hölzernen Korpus gezogen. In der alttamilischen <a href="Sangam-Literatur" title="Sangam-Literatur">Sangam-Literatur</a> (bis etwa zum 5. Jahrhundert n. Chr.) kommen unter anderem die heute noch gebräuchlichen Bezeichnungen <i>utukkai, itakkai</i> und <i>timilai</i> vor. Es gibt zahlreiche regionale Varianten, teilweise trägt auch dieselbe Sanduhrtrommel je nach Region einen anderen Namen.
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<p>Im <a href="Punjab_(Indien)" title="Punjab (Indien)">Punjab</a> ist <i><a href="Dhadd" title="Dhadd">dhadd</a></i> (auch <i>dhad</i>)<sup id="cite_ref-26" class="reference"><a href="#cite_note-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> eine kleine hölzerne, mit der Hand geschlagene Sanduhrtrommel, die Mitglieder einer <i>Dhadi</i> genannten Musikerkaste zur Begleitung religiöser Gesänge verwenden. <i>Dhadis</i> sind <a href="Sikhismus" title="Sikhismus">Sikh</a>-Musiker, deren Tradition bis in die Zeit der ersten <a href="Sikh-Gurus" title="Sikh-Gurus">Sikh-Gurus</a> (ab Ende 15. Jahrhundert) zurückreicht. Anfangs waren sie Muslime, die sich ab dem 18. Jahrhundert auf der afghanischen Zupflaute <i><a href="Rubab" title="Rubab">rubāb</a></i> begleiteten. Sie besangen die Heldentaten der alten Krieger; ihr heutiges Repertoire umfasst außer den religiösen Liedern (<i><a href="Kirtan" title="Kirtan">kirtan</a></i>) auch unterhaltende Volkserzählungen. In der gängigen Besetzung als <i>dhadi jatha</i> spielt ein Mitglied das Streichinstrument <i><a href="Sarangi" title="Sarangi">sarangi</a></i>, zwei schlagen den Rhythmus mit <i>dhadds</i> und einer fungiert als Geschichtenerzähler.<sup id="cite_ref-27" class="reference"><a href="#cite_note-27"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
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<p>Die kleinen <i>damaru</i>-Typen heißen in Südindien <i>budbudke</i> oder <i>kudukuduppe</i>. Nach ihrer Verwendung durch bettelnde Straßenmusiker, die einen Affen an der Leine hinter sich herziehen, sind es „Affentrommeln“. Die Schausteller gehören in Nord- und Zentralindien zur randständigen Kaste der Madari oder Kalandar, von denen einige Mitglieder trotz des Verbots von 1998 auch noch <a href="Tanzb%C3%A4r" title="Tanzbär">Tanzbären</a> herzeigen. Die Affen- oder Bärenhalter singen oder erzählen Geschichten, während sie die Rasseltrommel schütteln. Zum reichhaltigen Instrumentarium der südindischen Straßenmusiker gehören ferner die einsaitige Zupflaute <i><a href="Ektara_(Lauteninstrument)" title="Ektara (Lauteninstrument)">ekanada</a></i>, eine einsaitige Fidel mit einer Kokosschale als Resonanzkörper, das Blasinstrument <i><a href="Pungi" title="Pungi">pungi</a></i> sowie verschiedenartige Trommeln und Handklappern. Zur Begleitung von Volkstänzen wird in den südindischen Bundesstaaten <a href="Karnataka" title="Karnataka">Karnataka</a> und <a href="Kerala" title="Kerala">Kerala</a> zusammen mit dem Blasinstrument <i>cheeni</i> die kleine Sanduhrtrommel <i>thudi</i> (oder <i>tudi</i>) gespielt, die besonders bei den <a href="Adivasi" title="Adivasi">Adivasis</a> in den Dörfern der <a href="Nilgiri-Berge" title="Nilgiri-Berge">Nilgiri-Bergen</a> beliebt ist.<sup id="cite_ref-28" class="reference"><a href="#cite_note-28"><span class="cite-bracket">[</span>28<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Nach ihrer Bauform und musikalischen Verwendung ist die ausgereifteste indische Sanduhrtrommel die <i><a href="Idakka" title="Idakka">idakka</a></i>, die in <a href="Kerala" title="Kerala">Kerala</a> bei hinduistischen Prozessionen und bei Festen innerhalb des Tempelgeländes gespielt wird. Die beiden Membranen sind nicht direkt über die Kante gebogen und verspannt, sondern auf Holzringe geklebt, die den doppelten Durchmesser der Korpusöffnung besitzen. Die so gebildeten Membranscheiben liegen lose auf dem Trommelkörper und werden nur durch ihre gegenseitige Verschnürung in ihrer Lage fixiert. Durch die labile Konstruktion kann der Spieler die Membranspannung in einem weiten Bereich variieren und so Trommelschläge in einen Tonumfang von über zwei Oktaven erzeugen. Die <i>idakka</i> gilt in Kerala deshalb als Melodieinstrument. Breite, über den Korpusrand hinausragende Membranringe sind nicht nur für südindische Sanduhrtrommeln, sondern auch für Zylindertrommeln wie die <i><a href="Chenda" title="Chenda">chenda</a></i> in Kerala und die <i><a href="Chande" title="Chande">chande</a></i> in Karnataka charakteristisch. Die <i>idakka</i> gilt als göttliches Musikinstrument und ist auf zahlreichen Tempelreliefs abgebildet.
</p><p>Im Trommelorchester <i>Panchavadyam</i> („Fünf Musikinstrumente“) spielen neben der <i>idakka</i> die hölzerne Sanduhrtrommel <i><a href="Timila" title="Timila">timila</a></i>, die größere zweifellige Fasstrommel <i><a href="Maddale" title="Maddale">madhalam</a></i>, ebenfalls aus Holz und die kleinen Bronze<a href="Paarbecken" title="Paarbecken">paarbecken</a> <i><a href="Elathalam" title="Elathalam">elathalam</a></i> mit dem einzigen Blasinstrument, der gebogenen <a href="Naturtrompete" title="Naturtrompete">Naturtrompete</a> <i><a href="Kombu_(Trompete)" title="Kombu (Trompete)">kombu</a></i> zusammen. Die <i>timilia</i> ist eine schlanke, knapp 90 Zentimeter lange Sanduhrtrommel, deren Membranen aus Kalbshaut auf einen Bambusring aufgezogen sind. Sie hängt dem stehenden Musiker an einem Riemen von der rechten Schulter und wird mit beiden Händen auf dem nach vorn ragenden Trommelfell geschlagen. Ihre Spielweise ähnelt afrikanischen Trommeln.<sup id="cite_ref-29" class="reference"><a href="#cite_note-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
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<p>Die <i>urumi</i> ist eine beidseitig mit gebogenen Stöckchen geschlagene Sanduhrtrommel in <a href="Tamil_Nadu" title="Tamil Nadu">Tamil Nadu</a>, die nach dem Volksglauben mancher Kasten magische Fähigkeiten besitzt. Nur bei Beerdigungen spielt ein Urumi-Ensemble (<a href="Tamil" title="Tamil">tamil</a> <i>urumi melam</i>), das aus dem Doppelrohrblattinstrument <i><a href="Nadaswaram" title="Nadaswaram">nadaswaram</a></i>, dem Zylindertrommelpaar <i><a href="Pambai" title="Pambai">pambai</a></i> und <i>urumi</i> besteht. Für die <a href="Telugu" title="Telugu">Telugu</a> sprechende Gruppe der Kampalattar Nāyakar treten die Musiker zur Begleitung von Gruppentänzen mit zwei bis drei <i>urumis</i> auf. Die Tänzer selbst spielen dazu den Bronzegong <i>cekanti</i> und die Rahmentrommel <i>cēvai palakai</i>.<sup id="cite_ref-30" class="reference"><a href="#cite_note-30"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Trommeln und übrigen Musikinstrumente <a href="Sri_Lanka" title="Sri Lanka">Sri Lankas</a> haben fast alle ihre Vorbilder in Indien. Das Kesseltrommelpaar <i>tamattama</i> entspricht dem weitverbreiteten Typ der <i><a href="Naqqara" title="Naqqara">naqqaras</a></i>, die Fasstrommel <i><a href="Bera_(Trommel)" title="Bera (Trommel)">geta bera</a></i> verweist in Form und Spielweise auf die südindische <i><a href="Mridangam" title="Mridangam">mridangam</a></i>, die Rahmentrommel <i>rabana</i> ist bis zu den <a href="Malaiischer_Archipel" title="Malaiischer Archipel">Malaiischen Inseln</a> unter diesem Namen (<i><a href="Rebana" title="Rebana">rebana</a></i>) bekannt und die kleine Sanduhrtrommel <i>udekki</i> (<i>uddeukei</i> oder <i>udekkiya</i>) entspricht den südindischen Typen. Ihr gedrechselter hölzerner Korpus ist in farbigen Streifen bemalt.<sup id="cite_ref-31" class="reference"><a href="#cite_note-31"><span class="cite-bracket">[</span>31<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Auf der zu Frankreich gehörenden Insel <a href="R%C3%A9union" title="Réunion">Réunion</a> im Indischen Ozean haben hinduistische <a href="Tamilen" title="Tamilen">Tamilen</a>, deren Vorfahren im 18. Jahrhundert als Sklaven für die Zuckerrohrplantagen hergebracht wurden, einen besonderen Musikstil bewahrt, den sie an den Tempeln praktizieren, die in den Plantagen an der Küste liegen. Die verwendeten Trommeln und Perkussionsinstrumente gehören zur Tradition der dörflichen Musik Südindiens. Beim großen Jahresfest <i>Pandyale</i> mit <a href="Feuerlauf" title="Feuerlauf">Feuerlauf</a> spielt das Ensemble die einfellige Trommel <i>śakti</i>, die Rahmentrommel <i><a href="Ravanne#Réunion" title="Ravanne">tapou</a></i> und manchmal die Sanduhrtrommel <i>ulké</i> (auch <i>bobine</i>). Der Priester tritt mit der Sanduhrtrommel in direkten Kontakt mit den Göttinnen Mariyamman, Draupadi oder Kaliami. Jedem Tempelritual und der Anrufung einer bestimmten Gottheit entspricht eine eigene rhythmische Struktur der Trommelmusik, die ständig wiederholt wird. Die Gottheit nimmt die Botschaft nach dem Verständnis der Gläubigen deutlicher wahr, wenn intensiver getrommelt wird. Im Unterschied zur sonst in der <a href="Indische_Musik" title="Indische Musik">indischen Musik</a> üblichen Improvisation müssen daher hier alle Trommler im selben Rhythmus spielen.<sup id="cite_ref-32" class="reference"><a href="#cite_note-32"><span class="cite-bracket">[</span>32<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
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<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Ostasien">Ostasien</h3></div>
<p>Die in China, Korea und Japan bekannten Sanduhrtrommeln entsprechen in ihrer Bauform und religiösen Bedeutung dem Typus der indischen <i>idakka</i> mit Membranringen. Vermutlich gelangten Sanduhrtrommeln mit der Ausbreitung des <a href="Buddhismus" title="Buddhismus">Buddhismus</a> in den Jahrhunderten um die Zeitenwende von Indien über den <a href="Himalaya" title="Himalaya">Himalaya</a> nach China und weiter nach Korea und Japan. Ihre frühesten Abbildungen in dieser Region stehen alle im Zusammenhang mit buddhistischen Kulten. Ab der <a href="Jin-Dynastie_(265%E2%80%93420)" title="Jin-Dynastie (265–420)">Jin-Dynastie</a> (265–420) unterscheiden chinesische Quellen zwischen eigener Musik und solcher, die auf Musikinstrumenten gespielt wurde, die von westlichen Fremdvölkern (<i>hu-yüeh</i>) importiert waren. Die Musik aus dem Westen gelangte vermutlich über die zentralasiatische Region <a href="Kuqa" title="Kuqa">Kuqa</a> (damals <i>Chiu-tzu</i>) im <a href="Tarimbecken" title="Tarimbecken">Tarimbecken</a> nach China. Kuqa lag an der späteren <a href="Seidenstra%C3%9Fe" title="Seidenstraße">Seidenstraße</a> und bildete das Zentrum der zentralasiatischen Musikkultur. Die früheste, jedoch nur als Ursprungserzählung zu bewertende Zeitangabe für die Ankunft fremder Musik stellt das Jahr 126 v. Chr. dar, als der chinesische Gesandte <a href="Zhang_Qian" title="Zhang Qian">Zhang Qian</a> (195–114 v. Chr.) nach langen Reisen und Gefangenschaft aus Zentralasien zurückkehrte und von seinen Erfahrungen berichtete. Zu diesen bis zum 5. Jahrhundert eingewanderten Instrumenten rechneten die <a href="Han-Chinesen" class="mw-redirect" title="Han-Chinesen">Chinesen</a> die Schalenhalslaute <i><a href="Pipa" title="Pipa">pipa</a></i>, die auf den iranischen <i><a href="Barbat_(Musikinstrument)" title="Barbat (Musikinstrument)">barbat</a></i> zurückgeht, das Blasinstrument <i>bill</i>, die Harfe <i>konghou</i> und die Sanduhrtrommel <i><a href="Jiegu" title="Jiegu">jiegu</a></i> (<i>chiehgu</i>). Die damals weit verbreitete <i>jiegu</i> besaß eine Schnurverspannung und wurde mit Stöcken geschlagen. Der Weg vom <a href="Iranisches_Hochland" title="Iranisches Hochland">Iranischen Hochland</a> nach China führte über das <a href="Graeco-Buddhismus" title="Graeco-Buddhismus">graeco-buddhistische</a> Reich von <a href="Gandhara" title="Gandhara">Gandhara</a>.<sup id="cite_ref-33" class="reference"><a href="#cite_note-33"><span class="cite-bracket">[</span>33<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Im 4. Jahrhundert wurden die beiden Sanduhrtrommeln <i>dutango</i> und <i>maoyuangu</i> aus Indien eingeführt, die während der <a href="Sui-Dynastie" title="Sui-Dynastie">Sui-Dynastie</a> (581–618) und der <a href="Tang-Dynastie" title="Tang-Dynastie">Tang-Dynastie</a> (618–907) beliebt waren, wie Abbildungen in mehreren Höhlen zeigen.<sup id="cite_ref-34" class="reference"><a href="#cite_note-34"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In der Tang-Dynastie gab es die Musikschule „Ewiger Frühlingsgarten“, in der vor allem Frauen unterrichtet wurden. Ein mit „Ming-huang hört Musik“ betiteltes Bild zeigt eines der zu dieser Zeit beliebten Frauenorchester mit verschiedenen Saiten- und Blasinstrumenten, <a href="Mundorgel" title="Mundorgel">Mundorgel</a> (<i><a href="Sheng_(Instrument)" title="Sheng (Instrument)">sheng</a></i>), Sanduhrtrommel (<i>jiegu</i>), einer großen Trommel und Klappern. Mit Ming-huang war der Tang-Kaiser <a href="Tang_Xuanzong_(Li_Longji)" title="Tang Xuanzong (Li Longji)">Xuanzong</a> (reg. 712–756) gemeint, der selbst Stücke komponierte, unter anderem für die aus dem Westen eingeführte Sanduhrtrommel.<sup id="cite_ref-35" class="reference"><a href="#cite_note-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die chinesischen Sanduhrtrommeln sind heute verschwunden.
</p><p>Die frühesten Abbildungen einer Sanduhrtrommel in <a href="Korea" title="Korea">Korea</a> sind auf der Tempelglocke des Sangwongsa-Tempels im Landkreis <a href="Pyeongchang" title="Pyeongchang">Pyeongchang</a> in Südkorea erhalten, der in der <a href="Silla" title="Silla">Silla</a>-Periode (57 v. Chr. – 935 n. Chr.) erbaut wurde, und auf einem Wandbild in den <a href="Goguryeo-Gr%C3%A4berkomplex" class="mw-redirect" title="Goguryeo-Gräberkomplex">Goguryeo-Gräbern</a> (5./6. Jahrhundert). Eine Bronzefigur aus dem 7. Jahrhundert stellt einen Trommelspieler dar. Aus der Frühzeit des <a href="Goryeo" title="Goryeo">Goryeo</a>-Reiches (10.–14. Jahrhundert) stammen einige sanduhrförmige Tontrommeln, die bei archäologischen Grabungen gefunden wurden.<sup id="cite_ref-36" class="reference"><a href="#cite_note-36"><span class="cite-bracket">[</span>36<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die <i><a href="Janggu" title="Janggu">janggu</a></i> (<i>changgo</i>) ist die bekannteste koreanische Trommel und gehört zusammen mit Wölbbrettzithern zu den aus China eingeführten Instrumenten, die in Korea eine eigene Ausformung nach den Bedürfnissen der koreanischen Musikstile erhalten haben. Diese werden grob in einheimische volkstümliche Musik und höfische, von China beeinflusste Musik unterteilt. Die <i>janggu</i> sorgt in jedem koreanischen Musikstil mit Ausnahme des epischen Gesangs <a href="Pansori" title="Pansori">Pansori</a> für eine komplexe rhythmische Struktur (<i>changdan</i>, aus <i>chang</i>, „lang“ und <i>tan</i>, „kurz“). Mit dem Schlägel in der rechten Hand produziert der Spieler die rhythmisch prägenden Schläge, die in der Fellmitte tief und am Rand hoch klingen. Mit der linken Handfläche oder mit einem Stöckchen fügt er ergänzende tiefe Schläge in der Fellmitte hinzu. Da sie Zeitmaß und Akzentuierungen vorgibt, kommt in praktisch jedem Ensemble nur eine <i>janggu</i> vor.
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<p>Aus der bäuerlichen Tradition stammt der <i>P'ungmul Nori</i> (auch <i>Nongak</i>), ein Stil, der für Volkstheater, Tänze und weltliche Lieder charakteristisch ist. Wie beim <i><a href="Samulnori" title="Samulnori">Samulnori</a></i> stehen Perkussionsinstrumente im Mittelpunkt. Die beiden Ensembles werden von einem Spieler mit einem kleinen flachen Messinggong (<i><a href="Kkwaenggwari" title="Kkwaenggwari">kkwaenggwari</a></i> oder <i>soe</i>) angeführt. Hinzu gesellen sich große Gongs (<i><a href="Jing_(Gong)" title="Jing (Gong)">jing</a></i>), kleine Fasstrommel <i><a href="Buk_(Trommel)" title="Buk (Trommel)">buk</a></i> und <i>janggu</i>. Zwei Melodieinstrumente kommen zum Einsatz: Eine gerade <a href="Naturtrompete" title="Naturtrompete">Naturtrompete</a> (<i>nabal, nap'al</i>, oder <i>kodong</i>) aus Messing oder Holz eröffnet die Aufführung, danach improvisieren entweder das lange Doppelrohrblattinstrument <i><a href="Taepyeongso" title="Taepyeongso">taepyeongso</a></i> oder die kürzere <i>soenap</i> (entspricht der chinesischen <i><a href="Suona" title="Suona">suona</a></i>) die Melodielinie.<sup id="cite_ref-37" class="reference"><a href="#cite_note-37"><span class="cite-bracket">[</span>37<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><i>Sinawi</i> ist ein koreanischer Instrumentalstil, der seinen Ursprung im <a href="Schamanismus_in_Korea" title="Schamanismus in Korea">Schamanismus</a> hat. Er wird mit einem Solo-Melodieinstrument, etwa der Wölbbrettzither <i><a href="Ajaeng" title="Ajaeng">ajaeng</a></i> und mit einer <i>janggu</i> oder von einem Ensemble vorgetragen. Zur Begleitung schamanistischer Rituale besteht das Ensemble aus einer <i>janggu</i>, einem großen Gong (<i>jing</i>), einem kleinen Doppelrohrblattinstrument (<i><a href="Piri_(Musikinstrument)" title="Piri (Musikinstrument)">piri</a></i>), der langen Querflöte (<i><a href="Daegeum" title="Daegeum">daegeum</a></i>), der zweisaitigen Röhrenspießgeige <i><a href="Haegeum" title="Haegeum">haegeum</a></i> und gelegentlich der Fasstrommel <i>buk</i>. Rhythmische Grundlage bilden auch hier die Improvisationen auf der <i>janggu</i>, die sich nach der über einen langen Zeitraum entwickelnden Melodielinie richten.<sup id="cite_ref-38" class="reference"><a href="#cite_note-38"><span class="cite-bracket">[</span>38<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<p>Eine weitere koreanische Trommel, deren Membranen wie bei der <i>janggu</i> über Ringe gespannt und miteinander verschnürt sind, die jedoch einen zylindrischen Korpus besitzt, heißt <i>galgo</i>. Ihr form- und namensverwandtes Gegenstück in <a href="Japan" title="Japan">Japan</a> ist die <i>kakko</i>. Der koreanischen <i>janggu</i> entspricht in Japan die <i><a href="Tsuzumi" title="Tsuzumi">tsuzumi</a></i> (<i>san-no-tsuzumi</i>). Wie in Korea übernimmt die <i>tsuzumi</i> die Führungsrolle in zahlreichen japanischen Musikstilen, einschließlich der höfischen koreanischen Musik <i>komagaku</i>, einer Form der <a href="Gagaku" title="Gagaku">Gagaku</a>-Musik, die nur Perkussions- und Blasinstrumente verwendet. Die <i>tsuzumi</i> wird auch im Theater <a href="Kabuki" title="Kabuki">Kabuki</a> zur Gesangs- und Tanzbegleitung gespielt und im <a href="N%C5%8D" title="Nō">Nō</a> zusammen mit der großen Fasstrommel <i><a href="Taiko" title="Taiko">taiko</a></i>.
</p><p><i>Tsuzumi</i> bezeichnet mit den Händen geschlagene Sanduhrtrommel. Hierin werden die beiden Typen <i>ko-tsuzumi</i> und <i>o-tsuzumi</i> unterschieden. Das bei der <i>ko-tsuzumi</i> verwendete Holz wird nach bestimmten rituellen Vorschriften sorgfältig ausgewählt, innen ausgehöhlt, in Form eines Doppelkelchs gedrechselt und geschliffen. Das Holz erhält eine Oberfläche aus schwarzem Glanzlack mit goldenen Verzierungen. Die beiden Membranen aus Pferdehaut werden über Eisenringe gespannt, wobei eine Seite mit einer weiteren Haut unterlegt wird. Eine W-förmige Verspannung aus einer dicken Schnur hält beide Membranen in Position. Der Musiker nimmt die <i>ko-tsuzumi</i> unter seinen linken Oberarm und drückt mit der linken Hand die Verspannung, um die Tonhöhe abzuändern. Für die größere <i>o-tsuzumi</i> gibt man sich bei der <a href="Holzauswahl" title="Holzauswahl">Holzauswahl</a> und beim Bau etwas weniger Mühe. Ringförmige Muster verzieren ihren Korpus, die Membranen bestehen aus Kuhhaut. Der Musiker hält diese Trommel, die im Zusammenspiel mit der <i>ko-tsuzumi</i> als zweitrangig gilt, quer auf seinem linken Oberschenkel.<sup id="cite_ref-39" class="reference"><a href="#cite_note-39"><span class="cite-bracket">[</span>39<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In Südostasien sind Sanduhrtrommeln heute unbekannt. Sie kamen jedoch mit der Ausbreitung der indischen Kultur im 1. Jahrtausend nach <a href="Kambodscha" title="Kambodscha">Kambodscha</a> und wurden zumindest für eine kurze Zeit im Khmer-Reich gespielt. Nur ein Relief am Anfang des 12. Jahrhunderts erbauten <a href="Angkor_Wat" title="Angkor Wat">Angkor Wat</a> zeigt eine Sanduhrtrommel, deren Form und Spielweise einer <i>idakka</i> entspricht, wie sie auch um diese Zeit am <a href="Sonnentempel_von_Konark" title="Sonnentempel von Konark">Sonnentempel von Konark</a> abgebildet ist.<sup id="cite_ref-40" class="reference"><a href="#cite_note-40"><span class="cite-bracket">[</span>40<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Melanesien,_Mikronesien"><span id="Melanesien.2C_Mikronesien"></span>Melanesien, Mikronesien</h3></div>
<p>In der traditionellen <a href="Musik_Neuguineas" title="Musik Neuguineas">Musik Neuguineas</a> sind Membrantrommeln typischerweise sanduhrförmig und ebenso weit verbreitet wie <a href="Schlitztrommel" title="Schlitztrommel">Schlitztrommeln</a>. Sanduhrtrommeln werden aus einem bis zu einem Meter langen Holzstamm gefertigt, dessen Inneres herausgeschält und ausgebrannt wird. Die Enddurchmesser betragen 12 bis 15 Zentimeter und werden mit der Haut einer <a href="Echte_Eidechsen" title="Echte Eidechsen">Eidechse</a> oder eines anderen kleinen Tieres bespannt. Nur Männer spielen Sanduhrtrommeln. Um die Membran zu straffen kleben sie in der Mitte Flecken aus Wachs auf.<sup id="cite_ref-41" class="reference"><a href="#cite_note-41"><span class="cite-bracket">[</span>41<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Im zentralen Hochland schlagen die Musiker Sanduhrtrommeln (<a href="Tok_Pisin" title="Tok Pisin">Tok Pisin</a> <i><a href="Kundu_(Trommel)" title="Kundu (Trommel)">kundu</a></i>) zur Begleitung von Männern und Frauen, die sich im Kreis bewegen und Wechselgesänge vortragen. Einige Ethnien stellen keine Sanduhrtrommeln her, sondern beziehen sie im Tauschhandel. Einige <i>kundu</i> des zentralen Hochlandes besitzen im Unterschied zu den Instrumenten der Küstenregionen keine seitlich abstehenden Tragehenkel, sondern nur eine Schnurschlinge, mit der sie beim Spiel gehalten werden. Die untere Hälfte der Trommeln kann mit <a href="Kerbschnitt" title="Kerbschnitt">Kerbschnitzereien</a> verziert sein, die Vertiefungen werden mit Erdfarben ausgemalt. Früher wurden die <i>kundu</i> vor jedem rituellen Gebrauch mit Schweinefett eingerieben, was als Akt der Erneuerung ihrer magischen Kräfte galt.<sup id="cite_ref-42" class="reference"><a href="#cite_note-42"><span class="cite-bracket">[</span>42<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In der <a href="Southern_Highlands_Province" title="Southern Highlands Province">Southern Highlands Province</a> heißen die Sanduhrtrommeln <i>tabage</i>. Sie werden mit der linken Hand gehalten und mit der rechten Handfläche geschlagen. Die <i>dindanao tabage</i> ist eine besondere Trommel und darf nur von männlichen Geisterbeschwörern geschlagen werden. Beim entsprechenden Ritual bewegen sich zwei bis drei Geisterbeschwörer mit langen Röcken und Federschmuck um ein Feuer während sie trommeln. Ihr komisches Aussehen soll die Geister zum Lachen und damit leichter zum Verschwinden bringen.<sup id="cite_ref-43" class="reference"><a href="#cite_note-43"><span class="cite-bracket">[</span>43<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sanduhrförmig sind auch die beidseitig offenen <a href="Wassertrommel_(Musikinstrument)" title="Wassertrommel (Musikinstrument)">Wassertrommeln</a>.
</p><p>Auf den <a href="Salomonen" title="Salomonen">Salomonen</a> östlich von Neuguinea kommt die <i>kundu</i> nicht vor. Auf einigen <a href="Melanesien" title="Melanesien">melanesischen</a> und <a href="Mikronesien" title="Mikronesien">mikronesischen</a> Inseln gab es noch Anfang des 19. Jahrhunderts einen einzigen Trommeltyp: eine einfellige sanduhrförmige Trommel, die auf den östlichen <a href="Karolinen" title="Karolinen">Karolinen</a> nur von Männern und auf den angrenzenden <a href="Marshallinseln" title="Marshallinseln">Marshallinseln</a> nur von Frauen gespielt wurde. Von dort gelangte offensichtlich im 19. Jahrhundert die Sanduhrtrommel <i>asig</i> zur Insel <a href="Kosrae" title="Kosrae">Kosrae</a>. Auf den Marshallinseln hieß diese zur Tanzbegleitung gespielte Trommel <i>aje</i>, die einzigen anderen Musikinstrumente waren das <a href="Schneckenhorn" title="Schneckenhorn">Schneckenhorn</a> <i>jilel</i> und diverse Schlagstäbe. Die bis um 1900 gespielte <i>aje</i> war 60 bis 80 Zentimeter lang und bestand als hartem <i>lukwej</i>-Holz (<i><a href="Calophyllum_inophyllum" title="Calophyllum inophyllum">Calophyllum inophyllum</a></i>) mit einer Membran aus Haifischmagensack. Nur ein Exemplar ist im Alele-Museum von <a href="Uliga" title="Uliga">Uliga</a> verblieben.<sup id="cite_ref-44" class="reference"><a href="#cite_note-44"><span class="cite-bracket">[</span>44<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Afrika">Afrika</h3></div>
<p>Afrikanische Holztrommeln sind große stehende Bechertrommeln oder an einem Gurt um die Schulter hängende fassförmige oder zylindrische Röhrentrommeln. Daneben kommen einige zweifellige Sanduhrtrommeln vor, die nach ihrem ursprünglichen Verwendungszweck als <a href="Sprechtrommel" class="mw-redirect" title="Sprechtrommel">Sprechtrommeln</a> (<i>talking drum</i>) klassifiziert werden. Die <a href="Yoruba_(Volk)" class="mw-redirect" title="Yoruba (Volk)">Yoruba</a> nennen eine solche Trommel, die für sie eine identitätsstiftende kulturelle Bedeutung besitzt, <i>dundun</i>. Um die drei Tonstufen der <a href="Yoruba_(Sprache)" title="Yoruba (Sprache)">Yoruba-Sprache</a> nachzubilden, nimmt der Spieler die <i>dundun</i> unter die linke Armbeuge und presst die Spannschnüre bevor- oder während er mit der rechten Hand die Membran schlägt. Er erzeugt so unterscheidbare Halbtonintervalle und <a href="Glissando" title="Glissando">Glissandi</a>.<sup id="cite_ref-45" class="reference"><a href="#cite_note-45"><span class="cite-bracket">[</span>45<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Dundun-Ensemble der Yoruba besteht aus vier unterschiedlich großen Sanduhrtrommeln und einer kleinen Kesseltrommel mit dem lautmalerischen Namen <i>gudugudu.</i> Die größte Sanduhrtrommel mit einem Tonumfang bis zu einer Oktave übernimmt die Führungsrolle. Sie heißt <i>iya ilu.</i> („Mutter“, <i>iya.</i> „der Trommel“, <i>ilu</i>).<sup id="cite_ref-46" class="reference"><a href="#cite_note-46"><span class="cite-bracket">[</span>46<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei den drei anderen Sanduhrtrommeln ist die Tonhöhe durch eine quer um die Taille gebundene Schnur bestimmt. Die <i>iya ilu</i> kann gelegentlich mit den Händen geschlagen werden, ansonsten werden für alle <i>dunduns</i> gekrümmte Schlägel verwendet. Die mit zwei Lederschlägeln gespielte Kesseltrommel soll den Grundtakt in schnellem Tempo weiter unterteilen.
</p><p>In Westafrika ist die unter dem Arm gehaltene Sanduhrtrommel <i>tama</i> seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Vermutlich gehörte eine Trommel früher ebenso zu den Begleitinstrumenten der Geschichtenerzähler und Sänger (<a href="Griot" title="Griot">Griots</a>) wie heute etwa die Stegharfe <i><a href="Kora_(Musikinstrument)" title="Kora (Musikinstrument)">kora</a></i>. Die <i>tama</i> zählt wegen ihrer spieltechnischen Möglichkeiten zu den Sprechtrommeln. Sie ist das unverzichtbare, den schnellen Rhythmus vorwärtstreibende Instrument im <a href="Mbalax" title="Mbalax">Mbalax</a>, einer besonders von den <a href="Wolof_(Volk)" title="Wolof (Volk)">Wolof</a> gepflegten, im <a href="Senegal" title="Senegal">Senegal</a> und in <a href="Gambia" title="Gambia">Gambia</a> populären Musikrichtung. Im Senegal bestimmt das <i>sabar</i>-Ensemble der Wolof den Stil der Trommelmusik. Alle in diesem Ensemble verwendeten Trommeltypen sind einfellig und werden mit einer Hand und einem langen Stock in der anderen Hand gespielt. Im Unterschied zu anderen westafrikanischen Trommelensembles kommen im <i>sabar</i> keine Takt gebenden Glocken (<i><a href="Gankogui" title="Gankogui">gankogui</a></i>) oder <a href="Rassel" title="Rassel">Rasseln</a> vor.
</p><p>Weitere zweifellige Sanduhrtrommeln heißen bei den <a href="Hausa_(Volk)" title="Hausa (Volk)">Hausa</a> in Nigeria und im Niger <i>jauje</i> und <i>dan kar'bi</i>. Die erstgenannte gehörte wie die Metalltrompete <i><a href="Kakaki" title="Kakaki">kakaki</a></i> zum Bereich der Herrscherhäuser, die zweite dient traditionell eher der Unterhaltung. Die bekannteste Sanduhrtrommel mit variabler Schnurspannung bei den Hausa ist die <i><a href="Kalangu" title="Kalangu">kalangu</a></i>. Früher gehörte sie ausschließlich zum Umfeld der Metzger, die auf den Märkten ihre Ware mit Trommelschlägen anpriesen. Heute wird sie von jugendlichen Amateuren und von Berufsmusikern bei Familienfeiern und zur Unterhaltung während der Feldarbeit verwendet. In manchen Gebieten spielt sie zusammen mit der einsaitigen Fidel <i><a href="Goge" title="Goge">goge</a></i> und perkussiv eingesetzten Kalebassenhalbschalen (<i>kwarya</i>) in der Musikgruppe des <a href="Bori_(Hausa)" title="Bori (Hausa)">Bori</a>-Besessenheitskults.<sup id="cite_ref-47" class="reference"><a href="#cite_note-47"><span class="cite-bracket">[</span>47<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die <i>kalangu</i> der Hausa kommt im Norden <a href="Ghana" title="Ghana">Ghanas</a> und in <a href="Burkina_Faso" title="Burkina Faso">Burkina Faso</a> unter dem Namen <i>lunga</i> vor. Hier trommeln Griots mit dieser Sprechtrommel Textzeilen im Wechsel mit ihrem Liedgesang. Die nordghanesischen <a href="Dagomba_(Volk)" title="Dagomba (Volk)">Dagomba</a> spielen die <i>lunga</i> mit einer zweifelligen Zylindertrommel zusammen, die weiter nördlich siedelnden <a href="Mossi" title="Mossi">Mossi</a> verwenden zur <i>lunga</i> eine aus einer großen <a href="Kalebasse" title="Kalebasse">Kalebasse</a> bestehende Kesseltrommel namens <i>bendre</i> oder <i>binha</i>.<sup id="cite_ref-48" class="reference"><a href="#cite_note-48"><span class="cite-bracket">[</span>48<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zum Hoforchester des traditionellen Herrschers (<i>naaba</i>) der Mossi gehören beispielsweise zwei <i>lunga</i>, vier zweifellige Röhrentrommeln <i>gangado</i> und sechs Kesseltrommeln <i>binha</i>.<sup id="cite_ref-49" class="reference"><a href="#cite_note-49"><span class="cite-bracket">[</span>49<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><i>Doodo</i> ist eine zweifellige Sanduhrtrommel bei den <a href="Songhai" title="Songhai">Songhai</a>, <i>donno</i> eine ebensolche der <a href="Akan" title="Akan">Akan</a> mit einer dichten parallelen Verschnürung. Die Akan haben sie aus dem Norden importiert.<sup id="cite_ref-50" class="reference"><a href="#cite_note-50"><span class="cite-bracket">[</span>50<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Eine einfellige Sanduhrtrommel nennen die <a href="Fulbe" title="Fulbe">Fulbe</a> <i>kootsoo</i>. Die Hausa übernahmen diese Herrschertrommel von den Fulbe unter dem Namen <i>kotso</i>. Die Sanduhrtrommel der <a href="Dogon" title="Dogon">Dogon</a>, <i>gomboy</i>, scheint importiert im Unterschied zur einheimischen Zylindertrommel <i>boy na</i> oder <i>boy dagi</i>. Die <a href="Kassena" title="Kassena">Kassena</a> im Norden Ghanas spielen die etwa 50 Zentimeter lange und 20 Zentimeter dicke <i>gungona</i> zur Tanz- und Liedbegleitung. Der Spieler hält sie wie allgemein unter dem linken Arm und kann höhere Töne produzieren, wenn er die Verschnürung presst.<sup id="cite_ref-51" class="reference"><a href="#cite_note-51"><span class="cite-bracket">[</span>51<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei vielen westafrikanischen Völkern gehörten Sanduhrtrommeln, Kesseltrommeln und lange Metalltrompeten zu den <a href="Insignie" class="mw-redirect" title="Insignie">Insignien</a> lokaler Herrscher.<sup id="cite_ref-52" class="reference"><a href="#cite_note-52"><span class="cite-bracket">[</span>52<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die <i>mukupela</i> ist eine große, waagrecht im Sitzen auf den Knien gespielte Trommel aus einem leicht taillierten Stammabschnitt. Sie kommt bei den <a href="Baluba" title="Baluba">Luba</a>, <a href="Lunda_(Volk)" title="Lunda (Volk)">Lunda</a> und <a href="Chokwe" title="Chokwe">Chokwe</a> in <a href="Sambia" title="Sambia">Sambia</a> und <a href="Angola" title="Angola">Angola</a> vor. Museale Exemplare sind reich mit geometrischen Kerbschnitzereien verziert und teilweise im mittleren Bereich mit Ösen oder Henkeln versehen. Sie besitzt keine Schnurverspannung. Die beiden Membranen werden einige Zentimeter über den Rand gezogen und dort festgenagelt oder mit einem Schnurring festgebunden. Die mit den Händen geschlagene <i>mukupela</i> gehört traditionell zu den geachteten Herrschertrommeln.<sup id="cite_ref-53" class="reference"><a href="#cite_note-53"><span class="cite-bracket">[</span>53<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In die afro-kubanische Musik der <a href="Karibik" title="Karibik">Karibik</a> brachten aus Nigeria stammende Yoruba die <a href="Bat%C3%A1-Trommel" class="mw-redirect" title="Batá-Trommel">Batá-Trommeln</a>, die in der Kultmusik der <a href="Santer%C3%ADa" title="Santería">Santería</a>-Religion und bei anderen Ritualen eingesetzt werden. <i>Batás</i> sind konische, leicht taillierte Röhrentrommeln, die in unterschiedlichen Kombinationen verwendet werden, wobei wie im Dundun-Ensemble die führende Trommel <i>iya ila</i> heißt. Die Gottheiten (<a href="Orisha" title="Orisha">Orishas</a>) lassen sich durch zwei unterschiedliche sakrale Musikstile anrufen. Beim Güemilere agiert ein Ensemble mit drei <i>batás</i>. Der Batá-<a href="Afrokubanische_Rumba" title="Afrokubanische Rumba">Rumba</a> ist eine Mischform des beliebten afro-kubanischen Tanzmusikstils mit den Rhythmen der sakralen Batá-Trommeln.
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Alison Arnold (Hrsg.): <i>Garland Encyclopedia of World Music</i>. Band 5: <i>South Asia. The Indian Subcontinent.</i> Routledge, New York / London 2000, ISBN 0-8240-4946-2.</li>
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<li>Francis W. Galpin: <i>The Music of the Sumerians and their Immediate Successors, the Babylonians and Assyrians.</i> Cambridge University Press, Cambridge 1937. (unveränderte Auflage. Cambridge University Press 2010, ISBN 978-0-521-18063-4)</li>
<li>Adrienne L. Kaeppler, J. W. Love (Hrsg.): <i>Garland Encyclopedia of World Music.</i> Band 9: <i>Australia and the Pacific Islands.</i> Routledge, New York 1998, ISBN 0-8240-6038-5.</li>
<li><a href="Walter_Kaufmann_(Komponist)" title="Walter Kaufmann (Komponist)">Walter Kaufmann</a>: <i>Altindien. Musikgeschichte in Bildern.</i> Band 2. <i>Musik des Altertums</i>. Lieferung 8. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1981.</li>
<li>Robert Provine (Hrsg.): <i>Garland Encyclopedia of World Music</i>. Band 7: <i>East Asia: China, Japan, and Korea.</i> Routledge, New York / London 2002, ISBN 0-8240-6041-5.</li>
<li>Ruth M. Stone (Hrsg.): <i>Garland Encyclopedia of World Music</i>. Band 1: <i>Africa.</i> Routledge, New York / London 1998, ISBN 0-8240-6035-0.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
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